FACHKONFERENZ 2019: Vorträge & Diskussionsrunden

FACHVORTRÄGE

„Planung und Beteiligung zusammendenken! – Dialogkultur im Wandel“ – Marius Becker, Martina Fendt, Karolin Stirn, Jan Thielmann (ProjektStadt)

Interessengruppen, Vereine und Bürgerinnen und Bürger erwarten zurecht eine frühzeitige Einbeziehung und aktive Mitwirkung bei städtebaulichen Vorhaben. Bei Projekten in den Programmen der Städtebauförderung, der der Konversion und Konzeptvergabe ist der Planungsprozess zudem komplexer als früher. Eine umfassende Mitbestimmung aller Akteure und Akteurinnen fördert jedoch die Akzeptanz und führt sogar oft zu einer Beschleunigung der Maßnahme, da Ängste und Vorbehalte abgebaut werden.
Die ProjektStadt denkt Planung und Beteiligung konsequent zusammen. Dialogische, integrierte Planungsprozesse beinhalten die Konzeption, Vorbereitung, Moderation, Dokumentation und Auswertung von verschiedenen, crossmedialen Beteiligungsverfahren, die aufeinander aufbauen. Am Ende steht ein politischer Beschluss, der von einer großen Mehrheit der Stadtgesellschaft getragen wird.
Martina Fendt, Karolin Stirn, Marius Becker und Jan Thielmann bringen als Projektleiterinnen und Projektleiter bei ProjektStadt umfangreiche Erfahrung in der Stadtentwicklung mit. Im ersten Teil ihres Vortrages erläutern die Referenten ihr Verständnis von Beteiligung und zeigen aktuelle Trends bei der Beteiligung im Rahmen von städtebaulichen Vorhaben auf. Im zweiten Teil werden dann schlaglichtartig zahlreiche Praxisbeispiele vorgestellt und die ganze Bandbreite an Möglichkeiten zur zielführenden Einbindung der Bürgerschaft aufgezeigt.

„Online-Beteiligung in der Stadtentwicklung und Stadtplanung – Verschränkung von Online- und Offline-Formaten“ – Theresa Lotichius (wer denkt was GmbH), Alexandra Eberhard (Stabsstelle Bürgerbeteiligung, Stadt Friedrichshafen)

Gerade in der städtebaulichen Entwicklung stehen in vielen Kommunen vor allem informelle Beteiligungsverfahren vor Ort wie Bürgerwerkstätten und Stadtspaziergänge im Fokus. Um Informationen rund um die komplexen Planungsprozesse bereitzustellen und auch eine zeit- und ortsungebundene informelle Bürgerbeteiligung zu ermöglichen, entschließen sich immer mehr Kommunen auch für digitale Lösungen. Digitale Ideenkarten, textbasierte Diskussionen und Befragungen dienen als Ergänzung zu den etablierten Verfahren vor Ort, um Stimmungsbilder einzufangen, gute Ideen und sinnvolle Einwände aufzunehmen.
Die wer denkt was GmbH begleitet zahlreiche Kommunen im Bereich ISEK und Stadtumbau sowie weitere städtebauliche Projekte mit integrierten Informations- und Beteiligungsplattformen. Theresa Lotichius, Abteilungsleiterin des Bereichs digitale Bürgerbeteiligung, stellt verschiedene Lösungen und best practice vor. Alexandra Eberhard, Leiterin der Stabsstelle Bürgerbeteiligung der Stadt Friedrichshafen, hat seit 2015 zahlreiche digitale Beteiligungsprojekte auf der Plattform www.sags-doch.de initiiert und begleitet. Sie berichtet von ihren Erfahrungen, von Chancen und Stolpersteinen der digitalen Bürgerbeteiligung.

DISKUSSIONEN MIT BEST PRACTICE PARTNERN

Wir laden Sie herzlich ein, mit unseren Experten verschiedene Aspekte der Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung zu beleuchten. Dabei richten wir unseren Blick auf die Praxis und diskutieren über die folgenden Themenschwerpunkte.

Diskussionsrunde 1: Thema: Befragung oder Beteiligung? Geeignete Tools für die Stadtentwicklung

Expertin: Alexandra Eberhard, Stadt Friedrichshafen

Die Stadt Friedrichshafen hat in den vergangenen fünf Jahren zahlreiche Beteiligungsverfahren mit unterschiedlichen Online-Tools begleitet. Wir schauen auf die Erfahrungswerte und behandeln folgende Fragen:

  • Wo liegen die Kernunterschiede zwischen Befragung und Online-Beteiligung?
  • Welche Tools sind für welche Projekte zielführend?
  • Und welche Rolle spielt der Gestaltungsspielraum für die Wahl?

Diskussionsrunde 2: Mehr als Meckerkultur! Positive Beispiele im Stadtbild sichtbar machen

Expertinnen: Susanne Radmann & Christina Illi, Wissenschaftsstadt Darmstadt

Im Rahmen des Darmstädter Projektes Masterplan 2030+ wurde die Gestaltung der Zukunft der Stadt gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern kooperativ entwickelt. Wir betrachten die verschiedenen Beteiligungsverfahren des Projektes und diskutieren die folgenden Fragen:

  • Wie schafft man es, die positiven Beispiele für Vielfalt und Innovation in der Stadt sichtbar zu machen?
  • Wie kann man die Wahrnehmung und das Verantwortungsgefühl der Menschen für ihren Lebensraum schärfen?
  • Welche Stolpersteine muss man dabei im Blick behalten?

Diskussionsrunde 3: Informelle Gremien als fester Bestandteil der Bürgerbeteiligung? Wie die frühzeitige Einbindung von Multiplikatoren in langfristige Planungsprozesse gelingt!

Experte: Olaf Burmeister-Salg, Gemeinde Münster (Hessen)

Die Gemeinde Münster (Hessen) wurde 2018 in das hessische Städtebauförderprogramm „Aktive Kernbereiche“ aufgenommen. Zur dauerhaften Begleitung des Planungs- und Umsetzungsprozesses wurde eine „Lokale Partnerschaft“ von der Gemeinde initiiert und gegründet. In der Lokalen Partnerschaft sind wesentliche Institutionen und Verbände sowie die Kommunalpolitik Münsters eingebunden. Wir schauen auf die Erfahrungswerte und behandeln folgende Fragen:

  • Welche Vorteile hat die Einrichtung eines solchen Gremiums und wie gelingt eine nachhaltige Einbindung in einen iterativen Planungsprozess?
  • Wer sollte alles in einem solchen Gremium vertreten sein? Welche Rolle spielen dabei die politischen Fraktionen?
  • Missverständnisse bei den Zuständigkeiten und Befugnissen? Was alles in einer Geschäftsordnung geregelt werden sollte.

Diskussionsrunde 4: Aktivierung der Bürgerschaft in Prozessen der Integrierten Stadtentwicklung! Geeignete Formate im Umgang mit verschiedenen Zielgruppen und Konflikten

Experte: Heiko Büsscher, Stadt Kassel

Im Rahmen ihrer Stadtentwicklung setzt die Stadt Kassel seit Jahren auf einen kooperativen Ansatz. Anhand von zwei Beispielen innerhalb und außerhalb der Städtebauförderung sprechen wir über den Einsatz von zielgruppengerechten Beteiligungsformaten sowie den Umgang mit unterschiedlichen Interessenlagen. Dabei behandeln wir folgende Fragen:

  • Wie gelingt die Aktivierung unterschiedlicher Zielgruppen im Stadtquartier?
  • Welche Beteiligungsformate sind für welche Gruppen geeignet?
  • Wie schafft man es, Interessen- und Nutzungskonflikten den Wind aus den Segeln zu nehmen?