Wie sieht eine zukunftsgerechte Pflege in Wuppertal aus? Wo gibt es Versorgungslücken? Und welche Wünsche haben die Menschen vor Ort? Um diese Fragen zu beantworten, hat die Stadt Wuppertal eine umfassende Bürgerbefragung durchgeführt. Ziel war es, die fachliche Perspektive von Expert:innen um die Sichtweise der Bevölkerung zu ergänzen. Die wer denkt was GmbH begleitete die Befragung von der Konzeption über die Durchführung auf talbeteiligung.de/pflegeinderzukunft bis zur finalen Datenaufbereitung und themenspezifischen Auswertung.

Ein starkes Signal für eine bedarfsgerechte Pflege
Der Start der Befragung am 8. Mai war bewusst gewählt. Er fiel in die Zeit rund um den Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai. So rückten zentrale Fragen zur sozialen Infrastruktur und zur Versorgung älterer Menschen stärker in den öffentlichen Fokus. Da Pflege früher oder später fast jeden Menschen betrifft, rief die Stadt alle Altersgruppen zur Teilnahme auf.
Fachwissen und Bürgerstimmen vereint
Hintergrund der Befragung ist die geplante „Zukunftskonferenz Pflege 2036“, die im Herbst 2026 stattfindet und sich in erster Linie an Fachleute aus dem Pflegebereich richtet. Damit neben der Expertenperspektive auch die Sichtweise der Wuppertaler Bevölkerung systematisch einfließen kann, initiierte die Stadt im Vorfeld diese offene Bürgerbefragung. Die Ergebnisse sollen in mehreren Formaten der Konferenz aufgegriffen werden – etwa in einem Fachvortrag, einer Podiumsdiskussion sowie an mehreren thematischen Thementischen.
Online und analog: Für alle zugänglich
Um möglichst viele Perspektiven einzuholen – auch von Pflegebedürftigen selbst, Angehörigen und Menschen in Pflegeeinrichtungen – konzipierte die wer denkt was GmbH die Befragung sowohl als Online-Fragebogen als auch als analoge Papierversion. Die technische Umsetzung erfolgte auf der eigens angepassten LimeSurvey-Plattform von wer|denkt|was, erreichbar über die Beteiligungsplattform talbeteiligung.de. Neben klassischen geschlossenen Fragen zu konkreten Einschätzungen und Bedarfen enthielt der Fragebogen auch offene Freitextfragen, die authentische Bürgerstimmen und Zitate sammelten – etwa zur Frage, wie sich die Teilnehmenden gute Pflege in der Zukunft vorstellen.
Hohes Engagement Betroffener und Fachkräften
Die Ergebnisse zeigen eine deutlich überdurchschnittliche Beteiligung älterer Menschen: Rund 60 Prozent der Teilnehmenden sind 55 Jahre oder älter. Naheliegend bei diesem Umfragethema, da diese Gruppe am häufigsten selbst betroffen ist oder als pflegende Angehörige involviert ist. Tatsächlich pflegt oder pflegte mehr als die Hälfte der Befragten eine nahestehende Person. Zudem konnten wertvolle Impulse direkt aus der Praxis gewonnen werden, da 36 Prozent der Teilnehmenden selbst im Gesundheits- oder Sozialbereich arbeiten.
Wünsche nach Flexibilität, Technik und neuen Wohnformen
Die Auswertung liefert klare Trends: Die Wuppertaler:innen wünschen sich vor allem wohnortnahe, flexible und kultursensible Unterstützung. Besonders deutlich wird der Wunsch nach einer verständlichen Kommunikation, auch bei Sprach- oder Sinneseinschränkungen (80 Prozent), sowie nach moderner Sicherheitstechnik wie Notrufsystemen im häuslichen Umfeld (76 Prozent).
Beim Blick auf den eigenen Pflegefall wünschten sich 27 Prozent der Befragten, zu Hause mit einem ambulanten Pflegedienst zu leben, ein Viertel bevorzugte gemeinschaftliche Wohnformen im eigenen Wohnumfeld – nur 2 Prozent zogen ein Pflegeheim in Betracht. Zur Entlastung pflegender Angehöriger sehen 40 Prozent vor allem flexible ambulante Pflegeangebote als die wirksamste Lösung.
Ausblick: Von der Meinung zur konkreten Planung
Die erhobenen Daten sind nun die direkte Arbeitsgrundlage für die „Zukunftskonferenz Pflege 2036“, die im Herbst 2026 stattfindet. Dort fließen die Ergebnisse in Fachvorträge, Podiumsdiskussionen und spezifische Thementische ein. Besonders wertvoll sind dabei die Freitextantworten der Bürger:innen, die als Zitate und O-Töne während der Konferenz plakatiert werden, um die Perspektive der Betroffenen präsent zu halten.
Auf dieser Basis erarbeiten Fachleute nun konkrete Maßnahmen und Konzepte, um die Pflegestrukturen in Wuppertal bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Die Ergebnisse der Befragung sowie die Resultate der Konferenz werden anschließend verständlich aufbereitet und veröffentlicht.
