Wo finden sich besonders artenreiche Lebensräume in der Agrarlandschaft? Welche Flächen bieten noch Potenzial für mehr Biodiversität? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Forschungsprojekt CoBi in den niedersächsischen Kommunen Uslar und Katlenburg-Lindau. Gemeinsam mit Bürger:innen werden dort aktuell sogenannte Bright Spots mit hoher biologischer Vielfalt sowie Dark Spots mit Entwicklungspotenzial identifiziert und untersucht. Die wer denkt was GmbH unterstützt das Projekt mit einer digitalen Beteiligungsplattform (erreichbar unter https://cobi.dialog.werdenktwas.de) und mehreren Crowdmappings. Nach erfolgreichen Workshops im Mai läuft die Monitoring-Phase im Juni und Juli 2026, in der Teilnehmende ihre Beobachtungen direkt vor Ort dokumentieren und einbringen können. Das Forschungsprojekt CoBi wird von der Georg-August-Universtität Göttingen durchgeführt.

Gemeinsam Biodiversität erfassen
Ziel des Forschungsprojekts CoBi ist es, lokales Wissen aus der Bevölkerung mit wissenschaftlichen Biodiversitätsdaten zu verknüpfen. Menschen vor Ort beobachten ihre Landschaft oft über viele Jahre hinweg und verfügen über wertvolle Kenntnisse zu Veränderungen, besonderen Lebensräumen oder seltenen Arten. Dieses Wissen soll systematisch erfasst und für die Forschung nutzbar gemacht werden.
Dafür fanden Ende Mai 2026 Bürgerforen in Uslar und Katlenburg-Lindau statt. Im Mittelpunkt stand eine digitale Karte, auf der die Teilnehmenden während der Bürgerforen Orte mit hoher oder niedriger Biodiversität markieren und beschreiben konnten. Die Teilnehmenden identifizierten unter anderem Feldränder, Hecken, Streuobstwiesen und Gewässerrandbereiche, die sie als besonders wertvoll oder entwicklungsbedürftig einschätzen.
Digitale Plattform begleitet Workshops und Monitoring
Für das Projekt hat die wer denkt was GmbH die Beteiligungsplattform unter https://cobi.dialog.werdenktwas.de aufgebaut. Insgesamt wurden vier Crowdmappings eingerichtet: zwei digitale Karten für die Workshops in Uslar und Katlenburg-Lindau sowie zwei weitere Anwendungen für die anschließende Monitoring-Phase.
Im Juni und Juli 2026 besuchen die Teilnehmenden die in den Bürgerforen ausgewählten Orte und dokumentieren dort die vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Die Teilnehmenden erfassen Wirbeltiere, Wirbellose und Pflanzen. Ergänzend können Fotos, Tonaufnahmen und weitere Beobachtungen hochgeladen werden. So entsteht eine umfangreiche Datengrundlage, die lokale Erfahrungen und wissenschaftliche Untersuchungen miteinander verbindet.
Um die Erfassung vor Ort möglichst einfach zu gestalten, wurde die Beteiligungssoftware für das Projekt gezielt erweitert. Beiträge können nun mithilfe eines flexibel konfigurierbaren Eingabewizards Schritt für Schritt erfasst werden. Darüber hinaus lassen sich Tonaufnahmen direkt über das Smartphone oder Tablet erstellen, anhören und anschließend hochladen. So können Teilnehmende ihre Beobachtungen unmittelbar vor Ort dokumentieren und in die wissenschaftliche Auswertung einbringen.
Bürgerwissen und Wissenschaft im Dialog
Ein zentrales Ziel des Projekts besteht darin herauszufinden, wie gut die Einschätzungen der Bevölkerung mit wissenschaftlichen Erhebungen übereinstimmen. Die gesammelten Beobachtungen werden deshalb später mit wissenschaftlichen Biodiversitätsdaten verglichen. Auf diese Weise soll untersucht werden, wie sich Bürgerwissenschaft und Forschung sinnvoll ergänzen können.
Weitere Veranstaltungen im Herbst 2026
Im Herbst 2026 stellen die Projektverantwortlichen die Ergebnisse des Monitorings in weiteren Workshops in Uslar und Katlenburg-Lindau vor und diskutieren sie gemeinsam mit den Teilnehmenden. Im Anschluss fließen die Erkenntnisse in die Weiterentwicklung digitaler Werkzeuge zur Biodiversitätserfassung im Rahmen des Projekts BioIntAkt ein. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag dazu, Naturbeobachtungen künftig einfacher zu dokumentieren und auszuwerten.
