Können spielerische Ansätze dazu beitragen, dass sich junge Menschen stärker für Bürgerbeteiligung begeistern lassen? Dieser Frage widmete sich das Forschungsprojekt „DeineStadt“ in den vergangenen drei Jahren. Beim abschließenden internen Konsortialtreffen am 07.09. in München und dem Abschlusstreffen des Programms „Die digitale Kommune“ (DiKom) des BMFTRs am 16.09. in Berlin wurden die Projektergebnisse vorgestellt.
Ergebnisse
Das Konsortium aus den Beteiligungsexperten der wer denkt was GmbH, der Landeshauptstadt München, der TU Darmstadt und den Digital Twin Experten der High Vision GmbH konnte dabei vier Haupterkenntnisse ableiten:
1. Spielerische Beteiligung erreicht Jugendliche kognitiv besser: Das 3D-Spiel steigert Interesse und Eintauchen in das Thema deutlich und kann Jugendliche stärker für Stadtplanung und Beteiligung gewinnen. In der Gruppe der jüngeren Realschüler:innen kann nahezu eine Verdopplung des räumlichen Vorstellungsvermögens durch das Spiel festgestellt werden.
2. Nicht für alle funktioniert dasselbe Format: Jüngere Realschüler:innen profitierten besonders vom 3D-Spiel, während ältere Gymnasiast:innen mit der klassischen Kartenansicht besser zurechtkamen. Beteiligungsangebote sollten deshalb unterschiedliche Zugänge anbieten.
3. Gamification allein reicht nicht als Beteiligungsanreiz: Eine niedrigschwellige institutionelle Einbindung ist entscheidend.
4. Gender Confidence Gap zeigt sich bereits in jungen Jahren: Mädchen starten mit einem geringeren Zutrauen in die eigene Beteiligungsfähigkeit, holen durch die Beteiligungsformate aber deutlich auf. Die Studie belegt einen deutlichen Anstieg in der wahrgenommen Selbstwirksamkeit durch digitale Beteiligungsformate.
Das Projekt
„DeineStadt“ macht Planungen zur Mobilität in einem gamifizierten „Digitalen Zwilling“ (3D-Modell) der Stadt erlebbar. Ziel ist, junge und bisher weniger beteiligte Menschen für Beteiligungsprozesse in der Stadt- und Verkehrsplanung zu gewinnen. Die Anwendung verbindet eine realistische 3D-Visualisierung mit interaktiven Aufgaben, um daraus verwertbare Rückmeldungen für Planer:innen zu sammeln.
Motivation
Viele Beteiligungsformate erreichen vor allem ältere und sozial besser gestellte Menschen. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene bleiben oft außen vor, obwohl sie von Entscheidungen in der Stadt- und Verkehrsplanung langfristig stark betroffen sein werden. Daher wollten die Forschenden prüfen, ob ein niedrigschwelliger, ansprechender Spiel- und Diskussionsimpuls in Form eines Computerspiels („Demonstrator“) diese Zielgruppen aktiviert, ihr Interesse weckt und zukunftsorientierte und verwertbare Rückmeldungen für die Planung liefern kann.
Technische Innovationen
Bestehende Daten (v.a. das Lane-Model der Landeshauptstadt München) wurden mit Daten aus einer eigenen Drohnenbefliegung kombiniert. In Co-Creation-Workshops begleiteten zukünftige Nutzer:innen die Entwicklung. Es wurden kurze, klare Missionen, verschiedene Perspektiven (z. B. Rad, PKW) und mehrere Feedbackmöglichkeiten aus Nutzer:innenperspektive eingebaut.
Ein effizientes Toolset verarbeitet die Daten aus der Drohnenbefliegung; ein Editor erlaubt Planer*innen, Szenarien zu erstellen. Standardisierte Schnittstellen (OGC/City-GML-kompatibel) sichern die Übertragbarkeit.
Ausblick
Der Demonstrator wurde auf Übertragbarkeit geprüft und als Open Source-Lösung bereitgestellt. So können andere Städte und Gemeinden das Tool mit ihren eigenen Geodaten nutzen. Ziel ist, das Tool vielen Kommunen zur Verfügung zu stellen – von großen Städten bis zu kleineren Gemeinden. Langfristig ist auch die Integration in bestehende Beteiligungsplattformen vorgesehen.

